Weihnachtsmann-Geschichten
Weihnachtsmänner, Engel und Nikoläuse erleben Jahr für Jahr Momente, die bleiben – bei den Familien und bei ihnen selbst. Hier sammeln wir nach und nach diese Geschichten: große und kleine, historische und ganz aktuelle.
60 Jahre Weihnachtsmann in Berlin – eine Geschichte, die mit einer Türklingel begann
Wer heute in Berlin einen Weihnachtsmann bucht, klickt sich meist in wenigen Minuten durch ein Online-Formular. Was viele nicht wissen: Dahinter steckt eine Tradition, die mehr als 60 Jahre zurückreicht – getragen von Studierenden, ehrenamtlichem Engagement und, immer wieder, von Menschen, die eingesprungen sind, wenn eine Lücke entstand.
Der Anfang: eine Türklingel und ein politisches Problem
1949 gründeten Studenten der Technischen Universität Berlin die TUSMA – eine studentische Arbeitsvermittlung. Der Hintergrund war politisch: Studierenden, die den Ost-Berliner Machthabern missliebig waren, wurden Stipendien verweigert. Wer trotzdem studieren wollte, brauchte einen Zuverdienst. Der allererste TUSMA-Auftrag der Geschichte war denkbar unspektakulär: die Reparatur einer Klingel.
Aus dieser kleinen Anfangsidee wurde über die Jahrzehnte ein eingetragener Verein mit eigener Ausnahmegenehmigung zur Arbeitsvermittlung – zeitweise mit bis zu 20.000 eingeschriebenen Mitgliedern. Fast zeitgleich entstand an der Freien Universität eine zweite studentische Arbeitsvermittlung: die Heinzelmännchen, die später vom Studentenwerk Berlin übernommen wurden.
Der Berliner Weihnachtsmann: bis zu 10.000 Bescherungen in einer Saison
Besonders bekannt wurden beide Vermittlungen für etwas, das zunächst nur eine Randnotiz im Angebot war: die Vermittlung von Weihnachtsmännern und Engeln für Familien. Ab etwa dem Jahr 2000 taten sich TUSMA und Heinzelmännchen dafür sogar zusammen und traten gemeinsam als „Der Berliner Weihnachtsmann" auf. In den stärksten Jahren wurden auf diese Weise bis zu 10.000 Familien in Berlin an einem einzigen Heiligabend besucht – eine logistische Leistung, die sich heutige Vermittlungsagenturen kaum noch vorstellen können.
Ein Bruch und ein Neuanfang
2004 kam es bei TUSMA zu internen Streitigkeiten. Aus diesem Bruch heraus gründete ein ehemaliger TUSMA-Student die Berliner Weihnachtsmannzentrale – und öffnete das Konzept damit erstmals für alle, nicht mehr nur für Studierende. Viele der ersten Weihnachtsmänner der neuen Zentrale stammten aus dem vertrauten Kreis früherer TUSMA- und Heinzelmännchen-Darsteller, die auch nach ihrem Studienabschluss nicht aufhören wollten.
Ein Jahr später, 2005, meldete die TUSMA nach über 50 Jahren Insolvenz an. Die Heinzelmännchen bestanden noch bis 2018/2019 fort, bevor auch dieser letzte große Pfeiler der studentischen Weihnachtsmannvermittlung wegfiel.
Als die Lücke entstand – und wer sie füllte
Als die Heinzelmännchen ihren Dienst einstellten, drohte tausenden Berliner und Brandenburger Familien, ohne Weihnachtsmann dazustehen – ein Stück Tradition, das über zwei Generationen selbstverständlich gewesen war, stand plötzlich vor dem Aus.
In dieser Situation sind mehrere eingesprungen, jeder auf seine Weise. Auch das Weihnachtsbüro hat sich damals nicht raushalten wollen: Mit einer kurzfristigen Suchaktion und einem offenen Casting-Termin im November 2018 in Berlin-Johannisthal haben wir versucht, einen Teil der entstandenen Lücke zu schließen – mit Schulung nach dem Ehrenkodex des Weihnachtsmannes für alle, die mitmachen wollten. Auch andere, wie das heute deutlich größere Weihnachtsmann2Go, sind in dieser Zeit gestartet.
Was von dieser Geschichte bleibt
Die heutige Vielfalt an Weihnachtsmann-Agenturen in Berlin – ob groß oder klein – hat also gemeinsame Wurzeln: studentisches Engagement, das über Jahrzehnte gewachsen ist, und den Moment 2018, als sich zeigte, dass Familientraditionen nicht an einer einzelnen Institution hängen sollten. Das Weihnachtsbüro sieht sich als Teil dieser Geschichte – nicht als deren einzige Fortsetzung, aber als einer der Orte, an denen der Gedanke der persönlichen, verlässlichen Weihnachtsmannvermittlung weiterlebt.
Erinnerung an Frank Knorre – Weihnachtsmann aus Leidenschaft
Manche Menschen prägen eine ganze Branche, ohne dass es ihnen je um Konkurrenz gegangen wäre. Frank Knorre war einer von ihnen.
Frank war über 30 Jahre lang Weihnachtsmann – nicht nebenbei, sondern mit ganzem Herzen. Seine Laufbahn begann bei der studentischen Weihnachtsmannvermittlung, wo er als Oberweihnachtsmann Verantwortung übernahm, bevor er mit der Berliner Weihnachtsmannzentrale seine eigene, sehr erfolgreiche Agentur gründete.
2008 haben wir uns kennengelernt – der Beginn einer freundschaftlichen und zugleich kollegialen Zusammenarbeit, die bis zuletzt anhielt. Gemeinsam mit anderen Berlin-Brandenburger Weihnachtsmann-Agenturen haben wir in jenem Jahr das Netzwerk der Weihnachtsmann-Agenturen und den Ehrenkodex des Weihnachtsmannes mitbegründet, den Frank von Anfang an mitgetragen hat.
Frank hat sein Wissen und seine Erfahrung nie für sich behalten. Über die Jahre hat er unzählige neue Kolleginnen und Kollegen ausgebildet und mit dafür gesorgt, dass jedes Jahr hunderte Berliner Familien einen zuverlässigen, herzlichen Weihnachtsmann- oder Engelbesuch erleben durften.
Frank ist verstorben. Er fehlt seiner Familie, seinen Freunden und der ganzen Weihnachtsmann-Gemeinschaft in Berlin und Brandenburg. Seine Weihnachtsmannzentrale wird heute von seiner Lebensgefährtin gemeinsam mit einem anderen Weihnachtsmann fortgeführt – auch das ein Stück seines Vermächtnisses.
Lieber Frank: Danke für die gemeinsame Zeit, die gemeinsamen Wege und alles, was du der Weihnachtszeit in Berlin und Brandenburg gegeben hast.
Sind Sie Weihnachtsmann, Engel oder Nikolaus und haben eine Geschichte, die Sie gerne teilen möchten? Oder kennen Sie jemanden, dessen Geschichte hier stehen sollte? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.